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Denn sie wissen, was sie tun!
Mobbingintervention mit METALOG® training tools (Andreas Schumschal)

Der Experte für Gewaltprävention beschreibt den von ihm entwickelten Mobbinginterventionsansatz in der Arbeit mit Schulklassen. Anhand konkreter Beispiele wird deutlich, wie er einzelne METALOG® training tools für die Zielgruppe maßschneidert und die entstehende Gruppendynamik für das Lernen und die persönliche Entwicklung nutzbar macht. Darüber hinaus gibt er Einblicke in begleitende Methoden zum Umgang mit Gewalt.
METALOG® training tools: MeBoard, Tower of Power, KultuRallye, Team²


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Einführung

Verschiedene Studien und Erfahrungsberichte aus Schulen belegen, wie wichtig das Thema Gewaltprävention an Schulen ist. Im Ostalbkreis wird Gewaltprävention seit vielen Jahren intensiv umgesetzt. Seit dem Jahr 2000 koordiniere ich die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Einrichtungen, die sich mit dem Thema beschäftigen. In den vergangenen Jahren konnte so ein stabiles Netzwerk mit Schulen, Polizei, Jugendhilfe und schulpsychologischer Beratungsstelle aufgebaut werden. Darüber hinaus veranstalte ich regelmäßig Vorlesungen für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und pädagogische Fachkräfte.

Mit meinem Mobbinginterventionskonzept möchte ich einen Beitrag leisten, ein gutes Miteinander und ein konstruktives Lernklima in Schulklassen zu ermöglichen, damit Lernen und Entwicklung junger Menschen gelingt. Meine typische Zielgruppe sind Schulklassen ab der 3. Grundschulklasse bis hin zu Berufsschulklassen. Im Vorfeld einer Präventionsveranstaltung werden die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die Eltern in einem pädagogischen Seminar über meine Vorgehensweise informiert.

Das Thema „Mobbing“ hat mittlerweile einen sehr hohen Stellenwert an Schulen. Es besteht aber auch eine hohe Unsicherheit, sich diesem wichtigen Thema zu nähern. Es gibt eine Vielfalt an Theorien zum Thema Mobbing. Ich sehe meine Arbeit im Sinne von Richard Sennett: „Die Kooperation ist in unseren Genen angelegt, darf sich aber nicht in Routineverhalten erschöpfen, sondern muss entwickelt und vertieft werden. Das gilt vor allem für den Umgang mit Menschen, die anders sind als wir. Dort wird Kooperation zu einem anspruchsvollen Unterfangen.“ (Sennett 2012: 10).

Diese Aussage stellt einen Grundgedanke für meinen Ansatz dar (no blame approach – „ohne Schuld“-Ansatz), indem das Einüben von Kooperation im Klassenverband zum zentralen Thema erhoben wird. Empathie, Zuhörenkönnen und das gemeinsame Entwickeln von Lösungen stehen dabei im Vordergrund. Das Potenzial dafür liegt in den Schulklassen selbst. Dafür braucht es von den Lehrkräften ein behutsames „Begleiten“, „Mut machen“ und die Entwicklung von „zivilcouragiertem Handeln“ einzelner Schüler. Dabei gleicht die Arbeit mit Mobbing häufig einer Gratwanderung zwischen Prävention und akuter Intervention. So sind auch die Methoden, die ich im Folgenden vorstelle, meist für beide Auftragssituationen geeignet.

Mobbing tritt vor allem in hierarchisch gegliederten Systemen mit klaren Machtstrukturen und Zwangscharakter auf, die nicht einfach zu verlassen sind (z. B. im Militär, im Gefängnis, in der Schule). Und zwar besonders dann, wenn nur schwache Kontrolle herrscht oder diese ganz fehlt (vgl. Sharp & Smith 1994).

Gerade deshalb ist es wichtig, zu Beginn einer neuen Klassenzusammenstellung gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern klare Regeln des Zusammenlebens zu vereinbaren und z. B. in einem Regelbarometer schriftlich zu fixieren. Statt Kontrolle auszuüben, versuche ich mit meinem Programm, das Klassenklima zu stärken und positive Kräfte und Ressourcen in der Klasse zu aktivieren. Es soll zivilcouragiertes und prosoziales Handeln aufgebaut und gefördert werden. Mit den Schülern versuche ich, eine vertrauensvolle und ehrliche Gesprächssituation zu schaffen. In jeder Klasse gibt es mutige und couragierte Schüler, die ich dann später als „Anwälte“ für das Mobbingopfer einsetze. Diese Ressource muss gezielt und sehr behutsam im Laufe des Vormittags vorbereitet werden.

In meinem Konzept möchte ich alle Beteiligten angemessen mit ihrer Verantwortlichkeit konfrontieren und ihnen eine Rückkehr in den Klassenverband ermöglichen. Untersuchungen an der Universität München (vgl. Schäfer 2004) konnten darlegen, dass das Verhalten von Mobbingopfern keinen Einfluss darauf hat, ob die Täter das Mobbing einstellen oder weiter betreiben. Gut gemeinte Ratschläge an das Opfer verunsichern und schwächen das Selbstbild der Betroffenen noch mehr. Eine sekundäre Viktimisierung, ausgelöst durch die, die helfen sollten, kommt in Gang (vgl. Cordes 2006). Schülern mit Zivilcourage muss der Rücken gestärkt werden, damit sie ihre soziale Kompetenz wahrnehmen und sich unterstützend für die „Situation des Opfers“ einsetzen können.

Auch durch die Anwesenheit des Klassenlehrers während des Trainings – er ist in der Rolle des Beobachters – ergibt sich für diesen die Chance, die einzelnen Schülerinnen und Schüler aus einer anderen Perspektive zu sehen, um so auch die Ressourcen einzelner Schüler zu erkennen.

Mobbing muss als Gruppenphänomen betrachtet werden, zu dem das gesamte System „Schule“ seinen Teil dazu beiträgt. Folglich muss die Mobbing-Dynamik – mit den ihr zugrunde liegenden Motiven – identifiziert werden, um brauchbare Interventionen möglich zu machen. Empirische Befunde bestätigen, dass eine Intervention sehr schwierig sein kann, weil Mobbing für die Mobber funktioniert, diese wenig Sanktionen bekommen und in ihrem Verhalten verstärkt werden. Häufig sind die Mobber einflussreiche und beliebte Schüler. Ist dann Mobbing in den Klassen weit fortgeschritten, kann es zu einer legitimen und akzeptierten Dominanzerwerbsstrategie innerhalb der Klasse werden (Hörmann & Stoiber 2014: 179). Opfer von Mobbing kann jedes Kind werden. Franz Hilt beschreibt in seinem System der Schikane drei Phasen: Test-, Konsolidierungs- und Manifestationsphase (Grüner & Hilt 2012). Bei Mobbing ist es wichtig, sehr früh zu intervenieren. Jedoch reden die Opfer in der Regel sehr selten mit ihren Eltern und Lehrern, was zu einer weiteren Geheimhaltung in der Klasse beiträgt.

Mit meinem Konzept möchte ich den Schülern ein eigenes „Drehbuch“ zur Orientierung in schwierigen Beziehungssituationen an die Hand geben. Denn es ist möglich, durch eine gute Klassengemeinschaft und einen regelmäßigen Austausch z. B. im Klassenrat ein positives Lernklima herzustellen. Wirkungsvolles Arbeiten im Bereich Gewaltprävention braucht einen Rahmen, in dem die Kinder eigene Erfahrungen machen können. Schon 1762 schrieb Jean Jaques Rousseau: „Unsere Begierde zu unterrichten und unsere Pedanterie treibt uns immer dahin, Kindern Dinge zu lehren, die sie viel besser durch sich selbst lernen würden.“ (Fileccia 2012: XYZ).

Nach meinen Erfahrungen sind Schülerinnen und Schüler sehr wohl bereit, sich mit Mobbing auseinanderzusetzen. Dazu biete ich ihnen mit meinem Programm eine Möglichkeit. Bevor ich in die Klasse gehe, kläre ich mit den Klassenlehrkräften den Rahmen und die Erwartungen. Letztlich muss aber für eine erfolgreiche Arbeit der Auftrag und die Bereitschaft, sich mit mir zu diesem Thema auseinanderzusetzen, von den Schülern kommen. Kommt eine solche Beauftragung nicht eindeutig zustande, braucht es einen anderen Zugang, meist über die Schulleitung oder die Eltern.

Arbeit mit der Klasse: Überblick
Ein idealer Arbeitsrahmen sind drei einzelne Tage in drei aufeinanderfolgenden Wochen mit einem Follow-up-Termin vier Wochen nach dem letzten Treffen. An den einzelnen Tagen arbeite ich mit der Schulklasse von 8:30 bis 12:00 Uhr mit 20 Minuten Pause. Ein möglicher Ablauf kann folgendermaßen aussehen:

Tag 1 Woche 1
1. Auftragsklärung, Begrüßung 20-30 Min.
2. EmotionCards, MeBoard oder Smileyrunde 30 Min.
3. Stargastinterview 45 Min.
4. Tower of Power mit Auswertung
Transfer auf Regelbarometer oder MeBoard
60 Min.
5. Abschlussrunde und Hausaufgaben für den nächsten Termin 30 Min
Tag 2 Woche 2
1. Begrüßung und Rückmeldung mit einer Smileyrunde 30 Min.
2. Einsatz der Schwimmnudel und Sensibilisierung für das Thema Mobbing 30 Min.
3. Regelbarometerauswertung (Wie hat es in der letzten Woche mit den vereinbarten Regeln geklappt?) 30 Min.
4. KultuRallye mit Auswertung Isomorphie-Tabelle 60 Min.
5. Klassensoziogramm Alternativ: „Plötzlich bist du Außenseiter“ 60 Min.
6. Abschluss und Auswertung
Tag 3 Woche 4
1. Begrüßung und Smileyrunde oder Bilder vom MeBoard (Hat jeder Schüler noch sein Bild aus der ersten Veranstaltung im Kopf?) 30 Min.
2. Mobbingopfer identifizieren und motivieren 60 Min.
3. Eigenverantwortung der Schüler einfordern (Verhaltensvertrag) 120 Min.
4. Abschluss und Auswertung
Tag 4 Idealerweise ca. 4 Wochen nach dem letzten Treffen
1. Begrüßung und Smileyrunde oder Bilder vom MeBoard (Hat jeder Schüler noch sein Bild aus der ersten Veranstaltung im Kopf?) 30 Min.
2. Austausch über die Veränderungen in der Klasse 60 Min.
3. Team²
Transfer zur Klassensituation
45 Min.
4. Installierung des Klassenrats mit konkreten Beispielen 45 Min.
5. Abschluss mit einer Übung, die bei allen Beteiligten ein „gutes Gefühl“ hinterlässt, z. B. Das Band („Respekttuch“), Moderationsbälle zur Auswertung

Im Folgenden möchte ich die oben aufgelisteten Schritte und Interventionen, die ich im Rahmen des Trainings verwende, im Einzelnen vorstellen. Die Verwendung von METALOG Tools ist jeweils als Praxisbeispiel gekennzeichnet.

Auftragsklärung
Die Auftragsklärung stellt die grundsätzliche Basis der Zusammenarbeit dar. Dabei kläre ich mit den wichtigen Beteiligten die Rahmenbedingungen ab und überprüfe auch für mich, ob ich den Auftrag annehmen kann bzw. was noch fehlt, damit die Mobbinginterventionen im System Klasse Wirkung zeigen kann. Bereits während der Auftragsklärung vermittle ich folgende Haltung: Der Fokus der Aufmerksamkeit sollte weg von der gemobbten Person gehen hin zur zentralen Frage „Wie gehen wir in der Klasse damit um?“,

Mit der Klassenlehrkraft: Was ist vorgefallen? Was kann die Lehrkraft einbringen? Ist die Klasse bereit, mit mir zu arbeiten? Was soll sich verändern? Was hat die Lehrkraft bereits ausprobiert? Ist die Lehrkraft bereit für eine dritte, ganz andere Lösung außerhalb des bisherigen Handlungsspektrums? Welches Bild gibt es dafür?
Mit den Eltern: Die Eltern müssen damit einverstanden sein, dass in der Klasse zum Thema Mobbing gearbeitet wird. Das wird über den Klassenlehrer koordiniert.
Mit der Klasse: Was ist heute unser Thema? Welche Vorstellungen gibt es?

Begrüßung
Die Schülerinnen und Schüler werden im Stuhlkreis von mir begrüßt. Jeder erhält ein Namensschild, sodass er oder sie mit dem Namen angesprochen werden kann. Auf diese Weise nehme ich zu jedem Schüler kurz Kontakt auf und schaffe ich persönliche Nähe. Dabei finde ich auch heraus, wie mir die Schüler begegnen: z. B. mit einem Lächeln, sie bedanken sich für das Namensschild, machen Bemerkungen zur Klasse usw. Dabei entstehen erste Gesprächskontakte, aber auch erste aufkommende Störungen können im Vorfeld geklärt werden. Mit dieser Eröffnung schaffe ich Struktur und die Schüler nehmen sehr schnell wahr, dass wir uns auf die Beziehungsebene fokussieren.

In dieser Einstiegsrunde frage ich z. B. die Schüler: „Was ist heute unser Thema?“, „Fühlt ihr euch hier in der Klasse wohl?“ oder „Was könnte besser werden, wenn ihr einen Wunsch haben würdet?“. Durch Zuwerfen eines Balles schaffe ich erste Gesprächsregeln. Wer den Ball in der Hand hat, hat das Wort und die anderen hören zu. Der Ball muss immer wieder an mich zurückgeworfen werden. So vermeide ich, dass die Schüler mir ihre Kommunikationsstruktur aufsetzen, bleibe zunächst am Steuer und lenke das Gespräch.

Smileyrunde
Als alternative Einstiegssequenz arbeite ich auch gerne mit der Smileyrunde. Hier verwende ich drei große, runde Moderationskärtchen mit einem Smiley, einem „Neutralie“ und einem „Heulie“. Die Kärtchen lasse ich im Kreis herumgehen und jeder erzählt, wie es ihr oder ihm heute geht. Manche reagieren jetzt schon betroffen. In der Smileyrunde lasse ich noch nicht zu, dass nachgefragt wird. Zu diesem Zeitpunkt kommt es häufig schon zu mutigen Äußerungen zur Situation in der Klasse wie „Ich fühle mich oft in dieser Klasse nicht wohl“ oder „Ich vertraue nicht allen Schülern“. Auch Solidaritätsbekundungen durch couragierte Personen können für den weiteren Interventionsprozess auftauchen. Mit diesen Schülern kann ein Unterstützungssystem (Verbündete) für das Mobbingopfer aufgebaut werden. Aus diesem ersten Eindruck kann viel nützliches Wissen selektiert werden. Diese Runde zeigt mir, wo die Klasse zurzeit steht, und gibt mir erste Ansatzpunkte für eine Intervention.

Praxisbeispiel MeBoard: Einleitung und Abschluss von Gruppenprozess sowie Lernprojekten

Das MeBoard eignet sich für eine Vielzahl an Einsatzbereichen zu Beginn des Gruppenprozesses, nach der Durchführung eines Lernprojektes und auch für das Ende des Trainings.

Zu Beginn: Sind die Schülerinnen und Schüler sehr ruhig, setze ich gerne das MeBoard ein. Es löst Unsicherheiten und Schüchternheit bei den Schülerinnen und Schülern am Anfang auf und hilft dabei, Gefühle zu visualisieren und sich auf Stärken zu Besinnen. Jeder Schüler darf sich aus der Vielfalt an unterschiedlichen Bildern (Natur, Menschen usw.) eines heraussuchen und setzt sich mit diesem Bild wieder an seinen Platz im Stuhlkreis. Dann dürfen die Schüler nacheinander aufstehen, an die Tafel gehen und mit ihrem persönlichen Kommentar ihr Bild an die Tafel anheften. Beispiel: „An dem Bild gefällt mir die aufgehende Sonne. Mir geht es heute Morgen gut.“ Die Bilder werden in einem Kreis auf dem MeBoard arrangiert. An die Schüler ergeht die Aufforderung: „Schaut euch in Ruhe nochmals alle Bilder an der Tafel an.“ Das entstandene Bild lasse ich stehen und arbeite später damit weiter

Nach der Durchführung eines Lernprojekts: Ich lasse die Schülerinnen und Schüler Bilder finden, die stellvertretend für Kompetenzen und Stärken stehen, die sie bei der Durchführung eines Lernprojektes erlebt haben. Die Stärken der Klasse lasse ich auf weiße Karten schreiben und hänge sie in die Mitte des MeBoards. Beispiele: „Hans hat ein gutes Kommando gegeben.“ „Es wurden keine Beleidigungen ausgesprochen.“ „Wir haben als Team gearbeitet.“ „Wir haben uns gut abgesprochen.“ „Es wurde bei der Übung niemand ausgegrenzt.“

Am Ende: Jetzt lasse ich die Schülerinnen und Schüler Bilder finden, die die Stärke des gemeinsamen Verhaltensvertrages widerspiegeln. Es ist quasi ein „visueller Vertrag“, der aus 1–3 Bildern besteht, die die Klasse gemeinsam aussucht.

Stargastinterview
Diese Intervention ist eine einfache und wirkungsvolle Art, Zugang zur Klasse zu finden. Als Material verwende ich ein echtes (nicht angeschlossenes) Mikrofon. Ich halte es in der Hand und interviewe einzelne Schüler zur Situation in der Klasse. Das Mikrofon kann auch an einen Schüler gegeben werden, der dann anderen Schülern in der Klasse Fragen stellt: „Wie geht es dir heute bei der Veranstaltung?“ oder „Was versprichst du dir von der heutigen Veranstaltung?“. Ziel dabei ist, unbefangen mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Dabei erzählen sie auch kritische Situationen aus der Klasse, die ich aber nicht näher bewerte, sondern stehen lasse. Die Schülerinnen und Schüler gehen in der Regel sehr motiviert an das Interview heran. Fragen sind unter anderem: „Wer hat heute Morgen schon ein gutes Wort gehört?“, „Fühlst du dich in der Klasse wohl?“, „Hast du schon einmal mit einem Mitschüler einen Konflikt ausgetragen?“

Dann befrage ich die Schülerinnen und Schüler nochmals genauer hinsichtlich der o. g. Fragen. Dabei kommen wir in der Regel sehr schnell auf das Thema der Klasse. Die Schüler erzählen von ihren alltäglichen Dingen und spiegeln die Klassenatmosphäre. Erste Berührungen mit dem Thema Mobbing kommen auf. In dieser Phase möchte ich keine Namen der Gemobbten hören, sondern wir schauen uns gemeinsam das Klima in der Klasse an: „Was läuft bei euch gut?“, „Was macht eine gute Klassengemeinschaft aus?“, „Hat jemand auch schon bei Mobbing eingegriffen?“. Diese Methode kann ein wichtiger Türöffner für die Klasse und das Thema Mobbing sein.

Praxisbeispiel Tower of Power: Beobachtungsmöglichkeit bei gleichzeitiger Förderung von Kooperation, Konzentration und Kommunikation

Im nächsten Schritt ist es mir wichtig, durch eigene Beobachtungen den Grad und die Qualität der Zusammenarbeit im Klassenverband zu erkunden. Gleichzeitig möchte ich die Teamarbeit, Konzentration und Kommunikation von Schülern verbessern. Dabei stehen die Ressourcen der Schulklasse im Vordergrund. Hierzu verwende ich häufig das Lernprojekt Tower of Power.

Das Lernprojekt Tower of Power wird wie im Tool-Register beschrieben durchgeführt (vgl. S. XYZ). Die unterschiedlichen Begriffe (Respekt, Vertrauen, Misstrauen usw.) auf den Klötzen können ein guter ressourcenorientierter Einstieg in das Thema Ausgrenzung sein. Meine zentralen Fragen an die Klasse dabei sind „Was muss ich tun, um hier bei uns gut vertrauen zu können?“ und „Wie wirken Vertrauen und Stärken in der Klasse?“.

In der Regel gehen die Schüler sehr motiviert an die Übung heran. Dabei zeigt sich häufig, wer das Sagen in der Klasse hat. Aber auch, wie Absprachen untereinander getroffen und in der Klasse umgesetzt werden. Die Klasse bekommt den Auftrag, einen Schlachtruf zu formulieren. Dieser soll immer wieder ertönen, wenn ein Klotz umfällt, z. B. „Wir sind ein gutes Team – wir schaffen das!“. Damit gebe ich der Klasse etwas an die Hand, dass sie stärkt, und trainiere ihren Umgang mit Niederlagen.

Meiner Erfahrung nach gelingt über die Auswertung des Lernprojekts Tower of Power eine weitere wichtige Annäherung der Beteiligten an das Thema. Neben wichtigen Informationen über den Umgang der Schülerinnen und Schüler miteinander ergibt es immer wieder die Möglichkeit, Kompetenzen für einen gelingenden Umgang aufzugreifen und wichtige Themen gemeinsam zu besprechen. Im Vordergrund steht die Veränderung von Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern im Schulalltag. Mit folgenden Fragen moderiere ich die Auswertung: „Inwiefern war die Übung ähnlich zu eurem Schulalltag?“, „Welche Stärken habt ihr in der Klasse entdeckt?“, „Wie sieht Teamarbeit und Kommunikation im Schulalltag aus?“, „Welche Spielregeln bzw. Vereinbarungen könntet ihr aus der Übung auf euren Schulalltag übertragen?“, „Wo benötigen wir Rituale, Struktur und Orientierung in der Klasse?“.

Gerne zeichne ich den Bau des Turms auf Video auf und analysiere die Aufzeichnung im Anschluss. Dabei schauen wir erst auf die Ressourcen der Klasse: „Was sind eure Stärken?“ In einem zweiten Schritt schaffe ich ein Bewusstsein für Ausgrenzung, Auslachen und ganz bewusstes Mobbing. Durch folgende Frage versuche ich Betroffenheit bei den Schülern herzustellen: „Was würdet ihr über die Klasse sagen, wenn ihr den gesehenen Film als Kritiker von außen betrachten würdet?“

Übertragung auf das Regelbarometer
Im Anschluss erarbeite ich mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam Verhaltensregeln. Wichtig ist, dass die Regel positiv formuliert wird, sich auf beobachtbares Verhalten bezieht und umsetzbar ist. Dazu sollen die Schüler ihre Vorschläge für Regeln als Antworten zu folgenden Fragen auf Kärtchen notieren:

  • „Wie willst du in der Klassengemeinschaft behandelt werden?“
  • „Was muss man tun, um eine gute Klassengemeinschaft zu bekommen?“
Die auf diese Weise gesammelten Regeln werden mit der Klasse diskutiert und hierarchisiert. Dann werden 2–3 Regeln auf das Regelbarometer übertragen. Eine typische Regel, die aus der Klasse kommt, ist z. B.: „Zuhören oder andere ausreden lassen“. Um die Regeln im weiteren Verlauf im Blick zu behalten, empfehle ich folgende Vorgehensweise: Wenn die oberste Regel der Liste für ein paar Wochen gelebt wird, wird die zweite Regel auf Platz eins gesetzt und die folgenden Regeln rücken entsprechend nach oben. So bleibt das Regelbarometer lebendig. Nach jeder Übungseinheit können sich die Schüler selbst Feedback zu ihrem eigenen Verhalten bezüglich der Regeln geben, indem sie entsprechend Klebepunkte bei den drei verschiedenen Smileys (Smiley, Neutralie, Heulie) anbringen. (Bild Regelbarometer)

Sensibilisierungsübung
„Um zu lernen, bringt der Mensch sich in Situationen, deren Ausgang er nicht kennt. Das ist risikoreich, doch da liegt auch seine Zukunft.“ (Michel Develay)

Mit dem Lernzonenmodell von Senninger (2010) möchte ich zeigen, dass es manchmal sinnvoll sein kann, Grenzen zu überschreiten, damit Lernprozesse in Gang kommen. Innerhalb der Komfortzone fühlen wir uns sicher, Handlungen im Alltag sind bekannt. Beim Betreten der Lernzone lernen wir neue Dinge kennen. In der Panikzone befinden wir uns in einer Extremsituation. Hier kann kein Lernen mehr stattfinden. Die folgende Sensibilisierungsübung führt die Lernenden in die Lernzone an den Rand der Panikzone:

Die Schülerinnen und Schüler stehen im Kreis, ihr Gesicht ist nach außen gewandt. Ich fordere die Gruppe auf, die Augen zu schließen und auf meine Anweisung zu hören. Ich werde mich mit einer abgeschnittenen Schwimmnudel (ca. 40 cm Länge) im Innern des Kreises bewegen. Wenn eine Schülerin/ein Schüler mich von hinten bemerkt, ist es ihre/seine Aufgabe, die rechte Hand zu heben. Wenn die Schüler mich nicht bemerken, werde ich sie mit der Schwimmnudel an der Schulter kräftig berühren. Sobald alle ruhig und konzentriert stehen, laufe ich im Innern des Kreises herum. Mit der Schwimmnudel schlage ich kräftig in meine Hand, sodass die Schüler erschrecken. 2–3 Minuten lang laufe ich so im Kreis herum, ohne dass ich jemanden mit der Schwimmnudel berühre.

Im Anschluss dürfen die Schüler wieder die Augen öffnen, sich umdrehen und wir sammeln gemeinsam die Eindrücke. Ich moderiere die Auswertung gerne mit folgenden Fragen:

  • „Wie war es für euch mit verschlossenen Augen den Schlag zu hören?“
  • „Hattest du Angst, bald der Nächste zu sein?“
Ziel der Übung ist es, die Schülerinnen und Schüler aus ihrer Komfortzone herauszuführen, um ihnen auf eindrucksvolle Art und Weise die Wirkung von Mobbing aufzuzeigen, die Angst „Da kommt vielleicht ein Schlag“. Ausgegrenzten Schülern geht es oft so: Sie kommen morgens in die Klasse und wissen nicht, was an Schikanen heute auf sie zukommt. Mit dem Heranführen an den Rand der Panikzone kann ich den Schülern sehr gut aufzeigen, wie Mobbing auch auf das körperliche Befinden wirkt, und sie damit wachrütteln.

Praxisbeispiel KultuRallye: Ausgrenzungserfahrung und Gruppenfindung

In der nächsten Phase kommt das METALOG® Tool KultuRallye zum Einsatz. Es eignet sich sehr gut zur Bewusstmachung einer Ausgrenzungssituation oder wenn Gruppen sich neu finden müssen. Denn Regeln bestimmen unser Leben: In verschiedenen Lebenskontexten gibt es unterschiedliche Regeln, mit denen wir konstruktiv umgehen müssen – und dies lässt sich hier exemplarisch erfahren.

Das Lernprojekt KultuRallye wird wie im Tool-Register beschrieben durchgeführt (vgl. S. XYZ). Der sich unmittelbar im Spielverlauf einstellende „Kulturschock“ ist für die Schüler eine tolle Erfahrung. Ein zentraler Fokus dieser Übung liegt dabei auf dem Umgang mit unterschiedlichen Regeln und Mustern.

In einer Mobbingsituation zeigen sich Parallelen zu diesem Lernprojekt: Wenn der beste Spieler an einen neuen Tisch kommt, geht er mit einem guten Gefühl in die andere Gruppe. Doch plötzlich „blickt“ er gar nichts mehr und spielt einfach nach den ihm bekannten Regeln weiter. Dieses Verhalten führt zu Irritationen auf beiden Seiten. In der Realität kann diese Situation durchaus eine Ursache für das Entstehen einer Mobbingdynamik sein.

Ein weiterer Auslöser für Mobbing kann die Unsicherheit bzw. Schwäche des „Eindringlings“ sein. Trotz der guten Voraussetzung des Spielers am vorherigen Tisch dominiert jetzt die Ablehnung und die Stärke der Gruppe der Spieler, die am neuen Tisch geblieben sind. Die zentrale Frage ist: Wie geht die Gruppe mit dem neuen Spieler um? Findet eine weitere Ausgrenzung oder Integration statt? Kooperative Gruppen versuchen, den Neuen zu integrieren. Sie erklären nonverbal (denn sie dürfen ja nicht sprechen) kurz die neuen Regeln am Tisch und spielen weiter. So finden sie eine gemeinsame Basis und der Neuling spielt mit, als wäre nichts gewesen.

In der Praxis beobachte ich, dass „wehrhafte Opfer“1 sich schnell in die Gruppe einfinden, sich der Gruppe anpassen und die neuen Regeln durch Beobachtung lernen. Das „passive Opfer“ hingegen lässt die neue Situation am Spieltisch über sich ergehen, schweigt und nimmt sich als Mitspieler noch mehr zurück. In der Regel gehen diese Personen bei einem weiteren Tischwechsel noch geschwächter an den neuen Spieltisch. Die Situation im Spiel verschärft sich. Und damit auch die Möglichkeit der Klasse, die Dynamik bewusst zu machen, um so eine Veränderung in der Einstellung und auch im Verhalten zu erzeugen.

Mobbingopfer identifizieren und motivieren
In dieser Phase erarbeite ich mit der Klasse aus dem Schulalltag heraus ein Bewusstsein für die Grenzüberschreitungen und Verletzungen. Je ehrlicher die Schüler von ihren Verletzungen berichten, desto eher kann das Thema in der Klasse offen behandelt und verändert werden. Dazu schreibt jeder Schüler auf ein Blatt Papier, was ihn besonders an der Klasse nervt.

Folgendes beispielhaftes Ergebnis entstand in einer Realschulklasse: Mich ärgert/nervt, dass …

  • „In der Klasse geht es fast nie ohne Streit und Strafe.“
  • „Lars nervt mich: Wenn ich Ralf was sage, mischt er sich ein.“
  • „... dass wir Ralf nicht mögen.“
  • „... dass wir Ralf ausgrenzen.“

Die Antworten der Schüler werden anschließend auf einem Plakat festgehalten, sodass die Schüler ihre Beiträge auch visuell nachverfolgen können. Mit der Klasse wird dann ein Verhaltensvertrag erarbeitet. Dazu werden auf einem Plakat die abgeleiteten Regeln festgehalten. Wichtig ist hierbei, Verletzungen in Regeln zu verwandeln. Zwei Regeln werden von mir vorgegeben:

  • Ich verletze niemanden mit Worten und Gesten!
  • Ich verletze niemanden körperlich und gehe mit anderen respektvoll um!

Weitere Regeln können sein:

  • Die zwei Kontrahenten gehen sich in den nächsten Tagen aus dem Weg.
  • Ich kontrolliere meine Sprache.
  • Beginne mit Ich-Sätzen.
  • Ich wünsche mir von dir, dass ...

Die Punkte werden dann mit der Klasse in einer Vereinbarung zusammengefasst. Diese Vereinbarung wird von den Schülern freiwillig mit ihrer Unterschrift unterzeichnet. Schüler, die nicht unterschreiben, bekommen eine Bedenkzeit. Ich mache in solchen Situationen klar, was es heißt, mit seiner Unterschrift diese Vereinbarung zu unterschreiben. Es ist wie eine Vertragsunterzeichnung

Praxisbeispiel MeBoard: Visuelle Vereinbarung

Wenn ich zuvor schon mit dem MeBoard gearbeitet habe, lasse ich die Schüler jetzt aus den restlichen Bildern drei Bilder suchen, die für die schriftliche Vereinbarung stehen können. Beispielsweise hat das Bild mit dem Stacheldraht in vielen Schulklassen die Symbolik „Wir halten wie Stacheldraht zusammen“ oder das Bild mit einem alten Bus steht für „Wir steigen alle in den Bus ein, keiner aus der Klasse bleibt zurück“.

Diese drei wichtigsten Bilder werden in die Mitte des MeBoards geheftet. Mit der Klasse werden dann die Bedeutungen der Bilder nochmals kurz besprochen.

Emotionen zulassen: „Plötzlich bist du Außenseiter“
In dieser Arbeitsphase ist es wichtig, die Klasse zu „emotionalisieren“. Empathie ist hier der zentrale Schlüssel: Es geht darum, Betroffenheit zu ermöglichen und zuzulassen. Dazu mache ich folgende Übung:

Zwei bis drei Schüler verlassen freiwillig das Klassenzimmer. Mit der Klasse vereinbare ich, dass keiner der in der Klasse verbleibenden Schüler mit ihnen Kontakt aufnehmen darf, wenn sie zurückkommen. Die Klasse muss sich ziemlich sicher sein und wird von mir auf das Experiment eingeschworen. Die Schüler, die hinausgegangen sind, werden nacheinander gebeten, wieder hereinzukommen. Dabei erhalten sie den Auftrag, auf unterschiedliche Art und Weise Kontakt zu den Mitschülern aufzunehmen. In der Regel nehme ich für diese Aufgabe Schülerinnen und Schüler, die in der Klasse eine wichtige oder dominante Rolle einnehmen. Niemals dürfen die „Opfer“ in diese Rolle gebracht werden, es würde sie nur noch mehr schwächen.

Der Fokus der Auswertung liegt einerseits darauf, wie Schüler, die mit der Rolle des Außenseiters experimentiert haben, die nonverbale Ablehnung erlebt haben. Ich stelle Fragen wie „Wie hast du dich gefühlt, als niemand etwas mit dir zu tun haben wollte?“. Auch die andere Perspektive ist hochinteressant: Wie ging es den Schülern, die ein anderes Verhalten als üblich, nämlich aktives Nicht-Reagieren und Ignorieren ausprobiert haben?

Eigenveratwortung der Schüler einfordern
In jeder Klasse gibt es Schüler, die sich sehr verantwortungsvoll und sozial kompetent ins Klassenleben einbringen. Ziel ist es, der Klasse bewusst zu machen, dass alle für ein gutes Klassenklima mitveratwortlich sind. Dazu erarbeiten wir gemeinsam z. B. im Lernprojekt Tower of Power, wo ihre Ressourcen als Klasse liegen, beispielsweise im Zusammenhalt, in der Fähigkeit, jeden/jede einmal zum Zuge kommen zu lassen usw.

Außerdem setze ich Anwälte ein: Das sind Schüler, die in der Klasse eine gute soziale Stellung haben, die sich bei Vertragsverletzungen einmischen und das „Opfer“ stärken. Sie werden benannt und ebenfalls schriftlich auf dem Klassenvertrag fixiert.

Klassensoziogramm
Unterstützend kann das Klassensoziogramm eingesetzt werden. Das Soziogramm zeigt, wie die Schüler in Beziehung zueinander treten und was bei Mobbing an Veränderungen gemeinsam getan werden kann. Je intensiver die Kommunikation in der Gruppe, desto mehr lernt der einzelne Schüler, wie er sich selbst und seine Mitschüler einzuschätzt. Dabei findet ein interessanter Abgleich zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung statt: „Wo sehe ich mich in der Klasse“ vs. „Wo sehen mich die anderen?“

Jeder Schüler bekommt dafür ein Papiermännchen. Auf dieses schreiben die Schüler mit dickem Filzschreiber ihren Namen. Kurz zuvor bekommen die Schülerinnen und Schüler eine Einführung in die Methode des Klassensoziogramms und wie sie ihre Männchen bewegen dürfen. Auf dem Boden des Klassenzimmers klebe ich mit Kreppband ein großes Rechteck ab, das die Klasse symbolisiert. Jeder Schüler darf nur sein eigenes Papiermännchen im Rechteck bewegen und nicht in ein anderes Bild eingreifen. Der Auftrag lautet: „Beschreibt mit den Männchen eure derzeitige Klassensituation: Wo gibt es Gruppierungen? Welche gemeinsamen Interessen und andere Gemeinsamkeiten gibt es in der Klasse?“

In der Regel lasse ich sehr schwache Schüler oder Schüler, die schon ausgegrenzt wurden, damit beginnen, ihr Männchen als Erstes in das Rechteck zu legen. Im Anschluss daran dürfen alle anderen der Reihe nach ihre Männchen platzieren. Ich frage dann: „Was fällt euch bei dem Bild auf?“ Die Äußerungen der Schüler werden gesammelt. Nach dieser Auswertung des ersten Bildes dürfen die Schüler der Reihe nach ihre Männchen umlegen oder nach Belieben auch liegen lassen. Wer sein Männchen umlegt, muss auch eine kurze Begründung dazu abgeben. Im Anschluss findet wieder eine gemeinsame Auswertung statt, gerne mit der Frage eingeleitet: „Sieht so eine gute Klassengemeinschaft aus?“

Hierbei werden die Ressourcen und Lösungspotenziale der Schüler genutzt mit dem Ziel, neues Verhalten auszuprobieren und alte Pfade zu verlassen. Sollte sich beim Klassensoziogramm ein Opfer in der Klasse abzeichnen, wird es von mir unterstützt. Es erhält meinen Schutz.

Nachhaltigkeit
Der Mobbinginterventionsansatz erfordert sehr viel Zeit, Kontrolle und Nachhaltigkeit im Sinne von „Hinschauen und Handeln“ auf der Seite der Lehrerinnen und Lehrern. Der wöchentliche Klassenrat mit festen Zeiten, aber auch die Durchführung der Übungen mit den Lernprojekten kann zu einer vertieften Wahrnehmung der Schüler und der Lehrer in der Klasse führen.

Wichtig ist, den Schülern auf einer persönlichen Ebene zu begegnen. Nicht nur Inhalte und „Stoff“ sollen vermittelt werden, sondern es soll eine gute Grundlage für das alltägliche Miteinander geschaffen werden. Ohne diese aufwendige Nachhaltigkeit kehrt Mobbing sehr schnell wieder zurück in den Alltag der Schüler. Die Schüler brauchen anhaltende Ermutigung und Begleitung durch Erwachsene.

Durch die Arbeit mit Mobbinginterventionen an Schulen wird mir immer wieder vor Augen geführt, was Mobbingopfer über lange Zeit aushalten müssen. Manchmal kann dieses Aushalten auch in eine Stärke umgewandelt werden, sodass wir die Schüler zu mehr Übernahme von Eigenverantwortung befähigen.

Bei Mobbing sind die Fachleute und Lehrer an der Schule gefordert und können ein Teil der Lösung sein. Dazu sollte es regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen zu dem Thema geben. Lehrkräfte sollten gegenüber den Eltern deutlich machen können, was sie tun, um Gewalt oder Mobbing in der Klasse zu beenden. Für die schwierigeren Gespräche sollte ein externer Moderator hinzugezogen werden. Der Vorteil seiner Neutralität bewirkt manchmal Wunder. Nicht zuletzt kann eine gute Präventionsarbeit die Basis für einen guten Umgang in der Klasse sein, geleitet von der Prämisse, dass jeder ein Recht auf einen respektvollen Umgang hat.

„Die Lebensgeschichten der widerstandsfähigen Kinder lehren uns, dass sich Kompetenz, Vertrauen und Fürsorge auch unter sehr ungünstigen Lebensbedingungen entwickeln können, wenn sie Erwachsene treffen, die ihnen eine sichere Basis bieten.“ (Werner 1997: 202)

Der Klassenrat
Mit dem Klassenrates soll die Gesprächs- und Erzählkultur unter Schülern gefördert werden. Er ist ein lebendiges Selbstbestimmungsorgan, an dem die Schüler einer Klasse gleichberechtigt teilnehmen. Schüler können dabei immer mehr Selbstverantwortung in ihrer Klasse übernehmen und verfassen dazu konkrete Beschlüsse wie z. B. „Wir begegnen uns in der Klasse mit Respekt“. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler, ihr Anliegen selbst in die Hand zu nehmen. Der Klassenrat kann zu einem nachhaltigen Instrument werden, wenn immer wieder das Klassenklima zum Thema gemacht wird. In der Klassenratssitzung kann nach einer gelungenen Mobbingintervention auch Monate später der weitere Verlauf der Intervention beobachtet und angesprochen werden.

Der Klassenrat wird mit einem feierlichen Anschlagen einer Klangschale eröffnet. Das Klassenratsbüchlein dient zur Sammlung von Anliegen, wobei die Schüler zunächst nur ihren Namen eintragen und erst in der Klassenratsstunde ihr Anliegen vortragen. Die Diskussionsleitung liegt beim Klassenlehrer, er eröffnet und beendet die Sitzung und achtet auf die Gesprächsregeln. Der Protokollant notiert den Namen des Schülers, sein Anliegen und den dazugehörigen Beschluss in das Ratsbüchlein. Die Aufgabe des Klingelmeisters besteht darin, auf das Zeitmanagement und die Lautstärke zu achten. In der Regel dauert die Sitzung 30 bis 45 Minuten.

Der Klassenrat sollte nicht nur zur Konfliktbearbeitung dienen, denn dann läuft er ziemlich schnell ins Leere. Er kann vielmehr Mitbestimmungsinstrument sein z. B. bei der Vorbereitung von Klassenfahrten, Gestaltung des Klassenzimmers und des sozialen Miteinanders. Literaturempfehlungen zum Thema Klassenrat finden Sie im Literaturverzeichnis auf S. XYZ.

Praxisbeispiel Team²: Beobachtungsmöglichkeit bei gleichzeitiger Förderung von Kooperation

Um die Nachhaltigkeit einer Mobbingintervention nach 4–6 Wochen nochmals zu überprüfen, steige ich sehr gerne mit dem METALOG® Tool Team² als Kooperationsübung ein. Dabei verwende ich einen Klassensatz mit 25 Quadraten.

Das Lernprojekt Team² wird wie im Tool-Register beschrieben durchgeführt (vgl. S. XYZ). Die Übung gibt sehr schnell Aufschluss darüber, wie Schülerinnen und Schüler sich in Stresssituationen verhalten. Einige Schüler gehen in die Offensive und bieten Hilfe an, andere lehnen sich zurück und warten ab. Für mich bietet Team² eine wichtige Beobachtungsmöglichkeit, um zu schauen, wie es um die Kooperation in der Klasse steht, wo die Ressourcen in einer Klasse liegen und welche Schüler gezielt für ein gutes Klassenklima genutzt werden können.

Fazit

Der von mir beschriebene Mobbinginterventionsansatz wurde bereits an vielen Schulen im Ostalbkreis erfolgreich umgesetzt. Er soll Lehrerinnen und Lehrern mehr Sicherheit im Umgang mit dem Phänomen Mobbing an ihrer Schule geben. Mit dieser Arbeitsweise kann das Miteinander in der Klasse prosozial und nachhaltig gestärkt werden – und das ist der beste Schutz gegen Mobbing! Die Schülerinnen und Schüler lernen, Konflikte und Ausgrenzungen im Klassenverband ressourcenorientiert anzugehen und konstruktiv zu lösen. Ich möchte den Schulen Mut machen, das Thema Mobbing offensiv anzugehen. Durch frühe Maßnahmen in der Klasse und auf Schulebene können Spannungen und Konflikte als Lernprozess für die Gemeinschaft genutzt werden und tragen somit zur Reifung aller Beteiligten bei.

Augen auf! Anti-Mobbing-Charta für die Schule

  • Hinschauen und Handeln – Mobbing nicht akzeptieren.
  • Opfer: Vertrauensperson suchen.
  • Lehrer/-innen: Schüler/-innen ermutigen, über Mobbing zu sprechen.
  • Eltern: Warnsignale ernst nehmen. Von der Schule fordern, dass gehandelt wird.
  • Schule: Mobbing ernst nehmen.
  • Opfer schützen.
  • Sozialverhalten stärken.

Über den Autor

Nach einer Ausbildung zum Chemielaboranten studierte Andrea Schumschal Sozialpädagogik an der FH Esslingen. Danach Arbeit im Strafvollzug und in der Jugendgerichtshilfe. Seit 2000 Arbeit in der Gewaltprävention. Ausbildungen in Mobbingintervention, Mediation, zum Anti-GewaltTrainer und im ErfahrungsOrientierten Lernen.

Literaturverzeichnis

Cordes, Dagmar: Peergroupedukative Konflikthilfe – ein Konzept gegen Mobbing unter Kindern und Jugendlichen. ???? ist das die richtige Veröffentlichung????? weitere Daten bitte ergänzen; ich kann diese Literaturangabe nicht verifizieren! 2006

Fileccia, Marco: Elternarbeit Cybermobbing. Handreichung für Referentinnen und Referenten im LandesNetzWerk für medienpädagogische Elternarbeit. Stuttgart: Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Baden-Württemberg, 2012.

Grüner, Thomas/Hilt, Franz: Systemische Mobbingprävention und Mobbingintervention. In: Dr. Anne A. Huber (Hrsg.): Anti-Mobbing-Strategien für die Schule. Köln: Carl Link-Verlag, 2. Auflage 2012.

Hörmann, Cathérine/Stoiber, Manuel: Mobbing – Cybermobbing. In: Wolfgang Melzer, Dieter Hermann, Uwe Sandfuchs u. a. (Hrsg.): Handbuch Aggression, Gewalt und Kriminalität bei Kindern und Jugendlichen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 2014.

Huber, Dr. Anne A.: Anti-Mobbing-Strategien für die Schule. Köln: Carl Link-Verlag, 2. Auflage 2012.

Jannan, Mustafa: Das Anti-Mobbing-Buch: Gewalt an der Schule – vorbeugen, erkennen, handeln. Ein Elternheft und Materialien zum Cyber-Mobbing. Weinheim: Verlagsgruppe Beltz, 3. erweiterte und neu ausgestattete Auflage 2010.

Leymann, Heinz: Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz und was man dagegen tun kann. Rowohlt, 1993.

Rousseau, Jean Jacques: Emil oder Über die Erziehung. Stuttgart: Schöningh UTB, 13. Auflage 1998.

Schäfer: 2004 Weitere Daten bitte ergänzen.

Sennett, Richard: Zusammenarbeit: Was unsere Gesellschaft zusammenhält. Übersetzt aus dem Englischen von Michael Bischoff. München: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 2012.

Senninger, Tom: Abenteuer leiten. In Abenteuern lernen: Methodenset zur Planung und Leitung kooperativer Lerngemeinschaften für Training und Teamentwicklung in Schule, Jugendarbeit und Betrieb. Ökotopia-Verlag, 2010.

Sharp, Sonia/Smith, Peter K.: School Bullying: Insights and Perspectives. Routledge, 1. Aufl. 1994

Werner, Emmy: Was Kinder stärkt – Salutogenese und Resilienz. Dr. Zrinka Sosic-Vasic, 1997. Ist das das richtige Buch???

Literaturempfehlungen zum Thema Klassenrat
Blum, Eva/Blum, Hans-Joachim: Der Klassenrat. Mühlheim a. d. R.: Verlag an der Ruhr, 2012.

Das Mitmach-Set zum Klassenrat. Materialien für den Einstieg mit einer Klasse. (Bestellbar unter www.derKlassenrat.de)

Friedrichs, Birte: Praxisbuch Klassenrat: Gemeinschaft fördern, Konflikte lösen. Weinheim und Basel: Beltz Praxis, 2009.

Schumschal, Andreas/Slowinska, Bea: Der Klassenrat – Stunde der Wahrheit. Wie Schüler klare Regeln lernen und die Einhaltung selbst überwachen können. Landratsamt Ostalbkreis (Hrsg.) 2015. (Kostenfreier Download möglich unter http://www.ostalbkreis.de/sixcms/detail.php?_topnav=36&_sub1=31788&_sub2=31821&_sub3 =11909&_sub4=52230&_sub5=-1&id=127009)